Die Geschichte der Amtskette des Eilenburger Oberbürgermeisters

Zum Gedenken an den Goldschmiedemeister Wilhelm Sonntag

Tilo (l.) und Wilhelm (Mitte) Sonntag übergeben dem damaligen Oberbürgermeister Hubertus Wacker die Amtskette. Foto: privat

Detailansicht der Amtskette

Der Eilenburger Goldschmiedemeister Wilhelm Sonntag ist Anfang des Jahres 2021 im Alter von 87 Jahren verstorben. Unsere Anteilnahme gilt seiner Ehefrau, seinem Sohn und allen Angehörigen. Wilhelm Sonntag hat der Großen Kreisstadt Eilenburg eine ewig wirkende Erinnerung von großer Bedeutung hinterlassen.

Wir nehmen seinen Tod zum Anlass, um in besonderer Weise über die Entstehung der Amtskette des Eilenburger Oberbürgermeisters zu berichten und seine Arbeit damit nochmals zu würdigen. Gemeinsam mit seinem Sohn wurde Wilhelm Sonntag im Jahr 1997 die Ehre zuteil, eine Amtskette für den Oberbürgermeister der Stadt Eilenburg herzustellen.

Die Entstehungsgeschichte
Am 12. April 1996 besuchte der damalige Bürgermeister unserer Stadt, Hubertus Wacker, die Eröffnungsveranstaltung der neuen Leipziger Messehallen. Viele prominente Persönlichkeiten der Bundesregierung und des Freistaates Sachsen waren auf der Festveranstaltung vertreten. Der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig war an einem Merkmal besonders gut zu erkennen, er trug eine goldene Amtskette, welche der Amtsträgerschaft bei öffentlichen Anlässen eine besondere Prägung verleiht. Hubertus Wacker war klar, zum Amt eines Bürgermeisters gehört eine Amtskette!

Ab dem 1. April 1997 führte die Stadt Eilenburg den Titel "Große Kreisstadt" und Hubertus Wacker war ab sofort Oberbürgermeister. Seine Bemühungen um eine Amtskette beginnen. Zur Ideensammlung wälzte er Kataloge, in denen es möglich war eine solche Amtskette zu bestellen. Nein, daraus kam für ihn nichts in Frage. Vielmehr entstand der Gedanke, für Eilenburg muss es eine einzigartige, handwerklich hergestellte Amtskette sein.

Herr Wacker nahm Verbindung zu dem Eilenburger Mäzen, Hermann Köhler, auf. Vielen älteren Einwohnern unserer Stadt ist Hermann Köhler noch gut als ehemaliger Inhaber der Getränkefabrik Köhler in Erinnerung. Er fragte Hermann Köhler, ob er bereit wäre, die entstehenden Materialkosten für die Kette zu bezahlen und bat gleichzeitig die Goldschmiedefamilie Sonntag die handwerkliche Anfertigung zu übernehmen. Beide stimmten zu und durften für ihre Leistungen ihre Initialen auf der Rückseite der Kette für alle Ewigkeit eingravieren.

Gemeinsam mit dem Leiter des Museums, Andreas Flegel, und den beiden Goldschmiedemeistern Wilhelm und Tilo Sonntag besprach Hubertus Wacker die Gestaltung der Amtskette.
Die beiden Goldschmiede hatten einige Zeichnungen mit Entwürfen der Kettenglieder und des Amulettes vorgestellt. Herr Sonntag und sein Sohn erklärten sich bereit ihre Arbeit für die Herstellung unentgeltlich zu leisten und empfanden es als Ehre, eine Amtskette für den Oberbürgermeister ihrer Heimatstadt anfertigen zu dürfen.
Im Oktober 1997 war es dann fast so weit. Herr Sonntag und sein Sohn zeigten Hubertus Wacker die noch nicht ganz fertiggestellte sehr elegante Kette zum ersten Mal.

Der Neujahrsempfang 1998 sollte natürlich der passende Anlass sein, um die dann fertige Amtskette erstmalig allen Gästen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Ergebnis kann sich dank der großzügigen Spende von Hermann Köhler und der handwerklichen Kunst von Wilhelm und Tilo Sonntag richtig sehen lassen. Dafür gebührt ihnen ein großes Dankeschön.

Eine sehr gelungen gestaltete, würdige und dennoch nicht zu prunkvolle Kette war von nun an im Besitz der Großen Kreisstadt Eilenburg und kann vom Oberbürgermeister zu ausgewählten Anlässen getragen werden. Sie ist ein wahres Unikat. Der Wert der Amtskette ist durch die vielen hundert Arbeitsstunden der beiden Goldschmiedemeister kaum noch zu beziffern.

Als Wertschätzung ihrer Arbeiten durften sich Wilhelm und Tilo Sonntag im Jahr 1998 in das Ehrenbuch der Großen Kreisstadt Eilenburg eintragen.

Dort schrieb Wilhelm Sonntag folgendes: "Nur wenigen Goldschmieden wird während ihrer beruflichen Tätigkeit die Möglichkeit geboten, eine Amtskette für den Oberbürgermeister ihrer Heimatstadt anzufertigen. Mein Sohn und ich erhielten den ehrenvollen Auftrag, solch eine besondere Arbeit durchzuführen. (...) Die Herstellung dieser Kette im 108. Jahr des Bestehens unserer Firma wird uns immer in Erinnerung bleiben. Möge diese Kette stets ein Zeichen sein für die große Verantwortung des Trägers zum Wohle und Gedeihen unserer Stadt Eilenburg."

Durch die Herstellung der Amtskette für den Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Eilenburg haben Wilhelm und Tilo Sonntag ein Stück zur Historie der Stadt beigetragen sowie durch ihre hochwertige Arbeit eine bleibende Erinnerung geschaffen und sich dadurch verewigt.

Foto Detailansicht der Amtskette: Der Mittelteil des Kettenanhängers ist aus 750/Gold und besteht aus 219 Einzelteilen. Der Rand des Anhängers besteht aus 925/Silber und die aufgesetzten Buchstaben sowie Ziffern aus 585/Gold. Die Jahreszahl 1161 steht für die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Eilenburg. Die Kettenglieder sind abwechselnd in 585/Gold bzw. 925/Silber.