Vor langer Zeit war die Gegend um Eilenburg noch von dichtem Wald bedeckt. Da wohnte an einer entlegenen Quelle eine Nymphe. Niemand hatte sie je entdeckt oder gestört. Doch eines Spätsommertages ging ein Mädchen aus Eilenburg durch den Wald, um kräftigende Kräuter zu suchen. Seine Mutter war krank und gebrechlich und bedurfte dringender Hilfe. Lange irrte das Kind hin und her, ohne etwas zu finden. Schließlich setzte es sich müde an einer Quelle nieder. Wie erschrak es, als ihm plötzlich eine fremde Frau gegenüberstand! Doch diese sprach freundlich und beruhigend auf das Mädchen ein und fragte, was es ganz alleine im Walde suche. Das Mädchen erzählte, dass seine Mutter schon lange leiden müsse und die Familie kaum das nötigste habe, um den Hunger zu stillen. Da reichte die Nymphe dem Mädchen einen Strauß voller Kräutlein vom Quellenrand und sprach: “Drücke sie aus und gib den Saft deiner Mutter zu trinken. Daran wird sie gesunden. Nimm aber auch dieses Fläschchen mit dem Quellwasser mit. Es wird niemals aufhören zu fließen und dich stets an mich erinnern. Und wenn du dich mit dem Wasser wäscht, bleibst du immer jung und schön und wirst von allen begehrt.“ Das Mädchen bedankte sich und eilte nach Hause. Die Mutter genas alsbald von der Arznei aus den Quellkräutern und fand wieder Kraft, für ihre Kinder zu sorgen. Und mit dem köstlichen Wasser aus dem Fläschchen wusch das Mädchen Wäsche – die wurde so blendend weiß, dass alle aus der Gegend nur noch bei ihr mit dem Zauberwasser waschen wollten. Alle Not hatte nun ein Ende. Die klugen Eilenburger ließen später das klare Wasser durch die Röhren in ihre Stadt leiten, und noch heute erquickt es Mensch und Tier.