Vor Zeiten wohnte in dem gegen Abend vor Eilenburg gelegenen Schlossberge ein graues, kleines Männchen, das den Eilenburger Einwohnern oft großen Nutzen brachte. Den an der Mulde wohnenden Fischern zu helfen oder den von oder nach Leipzig fahrenden Frachtfuhrleuten auf den schlechtesten Wegen mit seinen scheinbar geringen Kräften die Wagen den Berg hinauf schieben zu helfen, war seine größte Freude.
Ungerufen kam der Zwerg und fand sich überall da ein, wo Not am Mann war. Jeder kannte ihn, nahm ihn freundlich an und suchte sich seine fernere Liebe zu erhalten. Keiner der sonst so rauhen Fuhrleute ärgerte ihn, alle waren seine Freunde.
In der Nähe des Berges, am Rande eines kleinen Gehölzes, hatte der Alte eine kleine Hütte, dort war er oft. Was er darin tat, das allerdings wusste man nicht, denn niemand durfte hinein. Nahte sich jemand der Hütte, so wurde er durch eine unsichtbare Macht festgehalten, und mancher Vorwitzige oder Unwissende hat tagelang wie gebannt feststehen müssen. Gewarnt durch solche Strafe mied jeder die Umgebung und ließ dem Alten sein Geheimnis. Viele behaupteten, dass des Nachts Funken aus der Esse des kleinen Häuschen gekommen seien, und nannten es daher das Funkenhäuschen.
Das ging so lange gut, bis eines Tages ein ungeschlachter Geselle mit dem kleinen Männlein allerlei Händel anfing. Wollte der Kleine einem Fuhrmann helfen, so jagte der Böse ihn davon und lachte lauthals über das Wichtlein, das den schweren Wagen den Berg hinaufschieben wollte. Da er zu feige war, in den Bannbereich zu kommen, warf er von weitem Steine in die Hütte, dass die Ziegel am Dache bald alle herunter waren.
Den Eilenburgern gefiel zwar das Treiben dieses Bengels nicht, aber einzuschreiten und dem kleinen Männlein, das ihnen so oft geholfen hatte, beizustehen, getrauten sie sich im Hinblick auf die Bärenkräfte des Gesellen nicht.
So kam es, dass eines Tages das Zwerglein verschwunden war. Das graue Männlein hatte sich wegen törichter Neckerei durch undankbare und rohe Menschen in den Berg zurückgezogen und lebte dort verbittert seine Tage. Mancher nächtliche Wanderer will ihm begegnet sein, keiner aber wagte es, ihn anzusprechen. Denn so freundlich einst der Kleine den Menschen gesinnt war, so feindlich wurde er nun.
Unsichtbar hinderte er die Eilenburger an ihren Arbeiten. Ja, als man eine Turmruine der alten "Hildeburg" abtragen wollte, baute des Nachts die unsichtbare Macht die Steine wieder zusammen, die am Tage vorher abgerissen worden waren. Das ging lange, bis der Zwerg der Sache doch überdrüssig war und die Leute gewähren ließ. Am meisten hatten nun die Fuhrleute zu leiden. Es war keiner mehr, der ihnen half. Im Gegenteil, der Berg schien unüberwindlich, und die armen Rappen mussten öfter verschnaufen, bis sie endlich die Höhe erreichten.
So hat Übermut und frevelnde Torheit eines Einzelnen der Gesamtheit Schaden bereitet und aus dem guten einen rächenden, bösen Geist gemacht.

(aus älteren Sammlungen von Sagen des Kreises Eilenburg)