Im Juni 2013 bewährte sich der seit dem Augusthochwasser 2002 massiv vorangetriebene Hochwasserschutz von Eilenburg. Der für Eilenburg maßgebliche offizielle Muldepegel in Golzern wies am Ende 7,83 Meter aus. Damit war er höher als beim Jahrhunderthochwasser 1954 mit 7,00 Metern, aber niedriger als 2002 mit 8,68 Metern.

Doch es war 2013 mehr als knapp. Das zeigt sich auch darin, dass in insgesamt 27 Gewerbebetrieben und etwa 50 Wohnungen Wasser des Mühlgrabens (zweigt vor Eilenburg von der Mulde ab und vereinigt sich nach Eilenburg wieder mit dieser) floss. Neben der als Überflutungsgebiet ausgewiesenen Mühlinsel betraf dies - an sich geschützte - Grundstücke in der Mühlstraße, Degenkolbstraße, Funkenweg, Röhrenweg, Neue Welt, Schloßaue und Hainicher Aue. Hier hat sich bemerkbar gemacht, dass die westliche Ufermauer von der Mühlgrabenbrücke flussabwärts bis zur Kleingartenanlage nur einen Hochwasserschutz HQ-100-alt hat. Dies entspricht einem Schutz vor einem als Jahrhunderthochwasser definierten Pegel, der aber unter dem von 2002 liegt. Auch weiter flussaufwärts füllte der Mühlgraben die Mauern bis auf den letzten Millimeter aus.

Der Ortsteil Hainichen, dessen Deichverteidigung angesichts prognostizierter Pegelstände anfänglichg von den Einsatzkräften aufgegeben worden war, konnte letztendlich doch noch mit Hilfe von Bundeswehr, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und auch mit enormem Einsatz der Hainichener Bürger gerettet werden. Dabei hat sich die nach 2002 erfolgte Verlegung eines drei Kilometer langen Deiches im Lübbisch (zwischen Ilburg-Stadion und Hainichen), der der Mulde vor Hainichen wesentlich mehr Raum gibt, ausgezahlt. In Hainichen selbst hielt der alte, massiv mit Sandsäcken verstärkte Deich, auch wenn die Mulde tagelang bis an die Krone oder nur wenig darunter stand.

Insgesamt standen zudem 800 der insgesamt 1600 Eilenburger Gärten teilweise meterhoch unter Wasser. Doch selbst in schwer betroffenen Anlagen wie Sewstopol  wollen die meisten weitermachen. Hier gab es vor dem Hochwasser 110 bewirtschaftete Parzellen, nur 18 davon wurden nach dem Hochwasser abgegeben.

Konsequenzen aus der Flut

Nach dem Hochwasser 2013 steht für die Stadt fest, dass der Hochwasserschutz insbesondere in der Mühlstraße auf das Maß HQ100-neu ertüchtigt werden muss. Dies entspricht dem Pegelstand von 2002, der auch bei den ersten Eilenburger Schutzbauten (hier konnte unmittelbar nach der Flut 2002 lediglich mit Plangenehmigungen und nicht wie am Mühlgraben mit Planfeststellungsverfahren gebaut werden) insbesondere an der Mulde als Maß zur Anwendung kam.

Als zu niedrig hat sich zudem der Deich in der Ernst-Mey-Straße erwiesen.

Außerdem muss an dem geplanten neuen Deich, der sogenannten Nordflanke Hainichen, die den alten Deich ersetzt und der Mulde zudem mehr Platz gibt, festgehalten werden. Vor der Flut 2013 war hier als Baubeginn 2015 avisiert worden. Denn auch das ist eine wichtige Erkenntnis vor der Flut 2013:

Die Mulde braucht (nicht nur in Eilenburg) noch mehr Überflutungsflächen.

Chronik des Hochwassers 2013

Sonntag, 2. Juni, 17 Uhr: Die Stadt informiert erstmals die Bürger via Internet und Facebook. Vorsorglich wird Anwohnern in niedrig liegenden Siedlungen empfohlen, Gegenstände von Wert aus Kellern und bodennahen Bereichen zu sichern. Eine Evakuierung ist zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen.

Sonntag, 2. Juni, 19.30 Uhr: Die Ereignisse spitzen sich zu. Für Eilenburg wird Katastrophenalarm ausgelöst. Nach der Mühlinsel und dem Ortsteil Hainichen (Evakuierung schon ab 15 Uhr) werden nun auch die komplette Innenstadt und Bereiche von Eilenburg-Ost evakuiert. Insgesamt sind 7000 Menschen betroffen, die bis zum 3. Juni, 1 Uhr, ihre Wohnungen verlassen sollen. Als Notunterkünfte für alle, die nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen, werden die Grundschule auf dem Berg samt Mehrzweckhalle in der benachbarten ehemaligen Tschanter-Mittelschule und die Grundschule in Ost eingerichtet. Letztendlich werden 230 Eilenburger auf dem Berg und 50 in Ost zwei Nächte verbringen. In Eilenburg findet bis einschließlich Mittwoch auch an hochwassersicheren Schulen kein Unterricht statt. Die Kitas außerhalb des Evakuierungsgebietes bleiben aber geöffnet.

Montag, 3. Juni: Gegen 3 Uhr wird in Hainichen aus Sicherheitsgründen der Strom abgestellt.

Montag, 3. Juni, ca. 4 Uhr:

  1. Beginn der Deichverstärkung und Deichstabilisierung in Hainichen.
  2. Beginn Überpumpen des Wassers aus der Rietzschke und des Mühlgraben in die Mulde (es wird vom 3. bis etwa 12.6. mit mehreren Pumpen rund um die Uhr gepumpt).

Montag, 3. Juni, 8 Uhr: Die Stadt informiert: Die Deiche und Mauern halten, bis auf die Mühlinsel und in Hainichen gibt es keine Einschränkungen bei Strom und Wasser.

Montag, 3. Juni, 13 Uhr: In der Mühlstraße wird der Strom abgestellt.
 Wenig später wird die Schutzmauer der Mühlstraße überspült, in erste geschützte Grundstücke dringt Wasser ein. Zugleich ist damit auch ein Teil des Stadtteiles Berg ohne Strom, der aber bereits rund 24 Stunden später wieder zugeschaltet werden kann. Notunterkünfte und Krankenhaus wurden zeitweise über Notstromaggregate versorgt.
In Wedelwitz wird ein Gerüst an der Unterführung B 87 gebaut, die einzige und auch nur fußläufige Verbindung zur Stadt. Die Benutzung der Autozufahrt wird zu diesem Zeitpunkt nicht empfohlen. Offen bleibt für alle anderen Eilenburger aber die B87-Ortsumgung, so dass anders als 2002 jederzeit eine Verbindung zwischen den Stadtteilen Ost und Berg besteht.

Montag, 3. Juni, 15.30 Uhr: Im Wedelwitzer Wasserwerk fällt der Strom aus. Das Trinkwasser wird bis 9. Juni „umgeleitet“. Die Wasserversorgung kann so über die gesamte Zeit gewährleistet werden.

Montag, 3. Juni, 19 Uhr: Es kommt vorsichtiger Optimismus auf. Die Innenstadt ist noch immer trocken. Der Hochwasserscheitel, der in Golzern zwischen 8 und 14 Uhr konstant um die 7,80 Meter pendelte (Höchststand 10 Uhr mit 7,83 Metern), hat Eilenburg passiert. Die Stadt informiert: „Der Einsatz hat sich gelohnt. Die Verstärkung des Deiches in Hainichen hält wahrscheinlich stand. Im Bereich des Mühlgrabens Am Anger, werden wie in der Ernst-Mey-Straße Anlagen mit Sandsäcken verstärkt. Unter Beobachtung steht zudem der Jahnplatz.“

Dienstag, 4. Juni, 7 Uhr: Jetzt ist es klar und aus dem Rathaus wird verkündet: „Das Schlimmste ist an uns vorüber gegangen. Neben den Gartenanlagen sind nur wenige Wohn- und Geschäftshäuser (am Ende sind es 25 Gewerbetreibende und 50 Wohnungen) betroffen.“ Doch noch ist die Situation kritisch, die Mulde führt nach wie vor viel Wasser. Der alte Deich in Hainichen wird im Verlaufe des Tages auch mit Hilfe der Bundeswehr auf einer Länge von einem Kilometer mit Sandsäcken verstärkt. Die Evakuierung wird bis Mittwoch aufrechterhalten. Die Innenstadt, die jederzeit von Jedermann zu Fuß betreten werden konnte, bleibt für den Fahrverkehr gesperrt, um die Beweglichkeit der Einsatzkräfte weiterhin gewährleisten zu können.

Mittwoch, 5. Juni, 8.30 Uhr: Die Evakuierung wird aufgehoben, die Innenstadt auch für den Verkehr wieder freigegeben. Das Wasser ist um Wedelwitz so weit zurückgegangen, dass es auch mit Pkw wieder angefahren werden kann.

Freitag, 6. Juni: Im Rathaus beginnt die Auszahlung der sächsischen Soforthilfe (400 Euro für Erwachsene, 250 Euro für Kinder). Sie gilt nur für Oberflächenwasser, das in Wohnungen (keine Keller) eingetreten ist.

Montag, 10. Juni: Die Vorstände der vom Hochwasser betroffenen Kleingartenanlagen Groitzscher Aue, Sewastopol, Kugelfang, Dobritzmark, Reichsbahn, Schloßaue, Jahnplatz, Muldenaue und Hainicher Aue wurden für diesen Tag zu einem Gespräch mit Oberbürgermeister Hubertus Wacker eingeladen.

Dienstag, 11. Juni, 17 Uhr: Der Katastrophenalarm wird aufgehoben. Noch immer stehen aber einige Straßen und hunderte Gärten unter Wasser.

Mittwoch, 12. Juni: Die Straßensperrung nach Hainichen wird aufgehoben, zudem ist die Florian-Geyer-Straße wieder voll befahrbar. Außerdem werden, mit Ausnahme des Deiches Hainichen, die Sandsäcke zur Abholung für Jedermann frei gegeben.