Der Wasserturm am ehemaligen Chemiewerk prägt die Eilenburger Silhouette im Osten der Stadt entscheidend mit. Der 60 Meter hohe Turm wurde 1916 für die Zelluloidfabrik zum Ende der Wasserturmzeit errichtet und stellt heute das imposanteste technische Denkmal der Stadt Eilenburg dar.
Dank großzügiger Förderung des Freistaates und des Arbeitsamtes (Vergabe-ABM) konnte die Sanierung für rund zwei Millionen Euro im Dezember 2002 beginnen. Seit Ende 2003 erstrahlt der Wasserturm, dessen sanierter Tiefenbehälter mittels neuester Pumpwerktechnik als Löschwasserreservoir für das Gewerbegebiet zur Verfügung steht, im neuen Glanz.

Wasserturm
Immer wieder tummeln sich Schafe auf den Wiesen zu Füßen des jetzt weithin leuchtenden Wasserturmes.
Wasserturm
Dämmerung am Wasserturm, Foto: B. Niemyt, Ludwigsburg

Wie der Wasserturm funktioniert

Um das für den Menschen notwendige Wasser zu speichern, wurden über die Jahrtausende die verschiedensten Arten von Sammelbehältern entwickelt. Darunter zählen auch die Wassertürme, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Auch bei den Wassertürmen selbst werden verschiedene Typen unterschieden. Eins ist ihnen die Aufnahme eines Wasservorrates, der beim Abfluss unter einem von der Höhe des Turmes abhängigen Druck steht.
Damit haben Wassertürme in der Vergangenheit als Teil von Wasserversorgungsanlagen die Arbeit von Pumpwerken ergänzt und in Zeiten des größten Verbrauchs die kontinuierliche Versorgung gesichert.
In der Gegenwart wird die Arbeit der Wassertürme immer mehr von leistungsfähigen Pumpen übernommen. Der Eilenburger Wasserturm wird bis zum Frühjahr 2003 bei der Brauchwasserversorgung des benachbarten Industriestandortes ECW zum Einsatz kommen. Danach übernimmt eine Druckerhöhungsstation diese Aufgabe.

Technische Daten

Der Eilenburger Wasserturm wurde 1916 zum Ausgang der Wasserturmzeit von der Firma Dyckerhoff und Widmann für die damalige Zelluloidfabrik errichtet. Im exakt 60,5 Meter hohen Turm gibt es vier Hochbehälter mit 1000, 500, 65 und 20 Kubikmeter Fassungsvermögen. Sie werden im Zuge der im Dezember 2002 begonnenen Sanierung demontiert, wobei die Zwischendecken erhalten bleiben. Außerdem befindet sich im Keller ein sogenannter Tiefenbehälter für 500 Kubikmeter Wasser.
Die Wasserlasten des Turmes werden von zehn Stahlbeton-Umfassungssäulen getragen. Der Eilenburger Turm entstand in der Intze-Form, die nach dem Konstrukteur Intze benannt worden ist. Da die Intze-Behälter eine sehr komplizierte Bodenform aufweisen, ist diese Art sehr selten anzutreffen. Bekannt könnte vielleicht der 1907 in Berlin-Spandau errichtete Wasserturm sein, der ebenfalls diese Konstruktion aufweist.

Bauwerks-Aussichten

Im Jahr 2000 gab die Stadt Eilenburg als Eigentümerin des Turmes ein Gutachten zum Zustand des Wasserturmes in Auftrag. Dank großzügiger und kurzfristiger Förderung durch den Freistaat und das Arbeitsamt (Vergabe-ABM) konnten im Dezember 2002 die ersten Arbeiten an dem Wahrzeichen der Stadt beginnen, die voraussichtlich zwei Millionen Euro kosten. Bis Frühjahr 2003 wurde eine Druckerhöhungsstation gebaut, mit der die im sanierten Tiefenbehälter lagernden 1000 Kubikmeter Wasser jederzeit als Löschwasserreservoir für das Industriegebiet zur Verfügung stehen. Zwei Hochbehälter konnten damit demontiert werden. Ab April 2003 wurde eingerüstet, um Dach und Fassade zu sanieren. Ende September wurde die vier Meter große und zwölf Tonnen schwere Dachlaterne in drei Teilen per Kran nach oben gehievt. Seit Herbst 2003 zeigt sich der Wasserturm in einem hellen graubeigen Farbton.

Sanierung Wasserturm und Bergfried

Der Wasserturm wurde gemeinsam mit dem Bergfried als Gesamtauftrag in Form einer ABM vergeben und durch die Agentur für Arbeit mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Beide Türme wurden offiziell am 24. Februar 2004 fertig. Die Sanierungskosten für den Wasserturm betrugen allein zwei Millionen Euro. Dafür gab es auch Unterstützung von Bund und Land aus dem Projekt Wirtschaftsförderung. Das 60 Meter hohe Bauwerk wird bis heute von den Stadtwerken Eilenburg betrieben.

Der Eilenburger Wasserturm kam beim Wettbewerb des Sächsischen Staatsministeriums 2004 "Stadtmaßstab Mensch - Neues Leben für Industriedenkmale" als einer von sechs Beiträgen in die engere Auswahl. Gelobt wurde insbesondere, dass der untere, 500 Kubikmeter fassende Behälter als Löschwasser-Reservoir für das benachbarte Industrie- und Gewerbegebiet dient.

Sächsischer Staatspreis für Baukultur 2004

  • Präsentation WasserturmPräsentation des Ingenieurbüro Röder zur Sanierung des Wasserturms, so wie sie in der Broschüre zur Preisverleihung des Sächsischen Staatspreises für Baukultur 2004 abgedruckt wurde.612 kB