Das Rathaus zu Eilenburg

1403 begannen die Bürger mit dem Bau ihres Rathauses, das damals noch Kaufhaus genannt wurde. Doch es sollte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört werden. Denn der 1521 errichtete Neubau wurde 1535 ein Raub der Flammen. 1544/45 wurde das Rathaus im Renaissancestil erneut aufgebaut. Mehrere Umbauten folgten im Laufe der Jahrhunderte, in denen beispielsweise der Rathausturm ab- und wieder aufgebaut wurde, der Aufgang von innen nach außen verlegt wurde. Zwischen dem 21. und 23. April 1945 wurde das Rathaus bombardiert und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Im Dezember 1949 war das Rathaus wieder aufgebaut.
Nach der Wende flossen zwischen 1991 und 1996 reichlich drei Millionen Mark in die Modernisierung des Rathauses. Bei der nach dem Jahrtausendhochwasser im August 2002 erneut erforderlichen Sanierung wurde im Hochparterre ein Bürgerbüro eingerichtet.

Rathaus
Das Rathaus im Stadtfesttrubel.
Rathaus
Abendhimmel über Rathaus und Kirche, Foto: Thomas Seifert

Ein markantes Jahr

Nach Aufzeichnungen der Stadtentwicklung war das Jahr 1403, als Markgraf Wilhelm I. die Stadt in seine unmittelbare Obhut nahm, ein markantes Jahr. Zu diesem Zeitpunkt, berichten die Quellen, begannen die Bürger mit dem Bau des Rathauses, das im Mittelalter auch Kaufhaus genannt wurde. Doch im gleichen Jahrhundert muss es wohl zerstört worden sein, denn 1521 wird berichtet, dass am 7. September, zwischen 9 und 10 Uhr, der Grundstein zu einem neuen Rathaus gelegt wurde. Aber auch dieser Bau wurde 14 Jahre später ein Opfer der Flammen.

Wichtigster Repräsentationsbau

Und so gingen die Eilenburger Bürger 1544/1545 daran, auf den Grundmauern des alten einen neuen Bau zu errichten. Im Selbstbewusstsein ihres Standes bauten sie ihr Rathaus im Stil der beginnenden Renaissance. Nun wurde das Rathaus zum wichtigsten Repräsentationsbau wirtschaftlicher Selbstständigkeit und des aufblühenden Gewerbes. Dem Rathaus, das aus Keller-, Erd-, Ober- und ausgebautem Dachgeschoss bestand, wurden reich gegliederte Giebel aufgesetzt. Aber auch gotische Architektur und Gestaltungselemente eingebaut. Der Keller wurde im östlichen Teil von massiven Tonnengewölben, im westlichen Teil, südlicher Trakt, von Kreuzgratgewölben und im nördlichen Trakt von Kreuzrippengewölben überdeckt. Ein Erker im Renaissancestil ragte aus der dem Marktplatz zugekehrten Front rechts heraus. Die Türen waren spitzbogig spätgotisch profiliert. Drei Giebel auf der Längsseite des Daches mit der Front zum Marktplatz waren mit Voluten und Pilastern verziert, was typisch für den Renaissancestil ist. Auf dem First war ein laternenartiger Dachreiter für eine freischwingende Glocke angebracht.

Turmbau

In den nachfolgenden Jahren wurde das Rathaus innen und außen geändert. So musste der Rathausturm wegen Baufälligkeit abgetragen und ein neuer Turm errichtet werden. 2 Jahre später wurde das Gebäude gründlich erneuert und eröffnete dabei auch eine Trinkstube für die bessere Gesellschaft. Auch erhielten die Fenster eine rote Sandsteineinfassung, und die Holztreppe wurde durch eine aus Stein ersetzt. Bereits 1864 wurde der Rathausturm wiederum abgetragen und mit einem Uhrwerk versehen, wieder aufgebaut. Das Dachgeschoss wurde zweckmäßig ausgebaut unter Berücksichtigung der architektonischen Gegebenheiten. Die Fassade wurde kaum verändert, nur verlegte man den Aufgang von innen nach außen.

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg

Die Arbeiten dazu waren in Arbeit, als der 2. Weltkrieg ausbrach. Während des Artilleriebeschusses auf Eilenburg erhielt das Rathaus etwa 10 Volltreffer, deren Brände jedoch noch gelöscht werden konnten. Aber in der Nacht vom 21. zum 22. April und am Vormittag des 23. April 1945 wurde das Rathaus so stark mit Brandbomben belegt, dass eine Rettung unmöglich war. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. 1946 begonnen die Arbeiten zum Wiederaufbau des Rathauses. Die Planung sah gleich eine Erweiterung von etwa 25 Metern in Richtung Rinckartstraße vor, um den Raumbedarf decken zu können. Dabei musste man die Beratung und Mitarbeit des Konservators der Denkmalpflege Sachsen-Anhalt einbeziehen. Da keine befriedigende Lösung gefunden wurde, die architektonisch, denkmalpflegerisch und städtebaulich angemessen war, beschloss die Magistratssitzung vom 24. September 1946, das Rathaus in seiner ursprünglichen Form wieder aufzubauen. Es konnte am 17.Dezember 1949 seiner Bestimmung übergeben werden.

Sanierung nach dem Hochwasser 2002

Teile des Rathauses und des Ratskellers, die während der Augustflut 2002 unter Wasser standen, wurden vom Putz befreit. Die bis zu anderthalb Meter dicken Wände waren auch ein Jahr nach der Hochwasserkatastrophe noch nicht vollständig ausgetrocknet, obwohl teilweise 24 Stunden am Tag die Trockner liefen. Noch knapp ein Jahr nach der Katastrophe wurden auf diese Weise täglich 120 Liter Muldewasser aus dem Mauerwerk gezogen.
Bei der nach dem Hochwasser ohnehin erforderlichen Sanierung wurde im Hochparterre des Rathauses ein Bürgerbüro eingebaut, in dem die Bürger ab 2. Februar 2004 fast alle von einer Stadt zu klärenden Verwaltungs­angelegenheiten vorbringen können.
Die Finanzierung eines Fahrstuhl wurde möglich, so dass das Rathaus nun auch uneingeschränkt für Behinderte zugänglich ist.