Bobritzer Damm

Seit über 300 Jahren teilt der Bobritzer Damm südlich von Eilenburg die Mulde. Er gibt einen Nebenarm, den Mühlgraben, frei. Beide Flüsse umgeben den Stadtteil Mitte wie eine Insel. Auch wenn sich im 21. Jahrhundert die Mühlräder am Mühlgraben nicht mehr drehen, erfüllt die etwa zwei Meter hohe Gefällstufe noch heute eine wichtige wasserwirtschaftliche Funktion. Sie wurde deshalb 1998 und 1999 für knapp acht Millionen Mark vom Freistaat Sachsen saniert.

Der Bobritzer Damm, der auch teilweise als Kollauer Wehr bezeichnet wird, ist bis heute ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderfreunde und Radler. Sie erfreuen sich nicht nur an der Natur, sondern bestaunen auch das wasserwirtschaftliche Bauwerk, das auch über eine Fischaufstiegstreppe verfügt.

Luftbildaufnahme des Bobritzer Damms
Luftbildaufnahme des Bobritzer Damms, links nach oben zweigt der Mühlgraben ab.

Seit über 300 Jahren - Geschichte des Bobritzer Damms

Auch wenn die genaue Jahreszahl nicht bekannt ist: Im 17. Jahrhundert muss der Damm aus Holzrahmen und Natursteinen errichtet worden sein. Ein Teil des hier aufgestauten Wassers floss seitdem in den Mühlgraben. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Bauwerk zum festen Wehr umgebaut.

Danach vergingen Jahrzehnte, ohne dass nennenswerte Reparatur- oder Sanierungsmaßnahmen in Angriff genommen worden sind. Ende der 90er Jahre befand sich das rund 90 Meter breite Wehr daher in einem schlechten baulichen Zustand. Mit den Ausspülungen insbesondere auf der Kollauer (Wurzener) Seite wurden bereits die ersten Folgen des teilweise durchlässig gewordenen Wehres sichtbar.

1998 hat deshalb die Landestalsperrenverwaltung Rötha im Auftrag des Freistaates Sachsen die Sanierung des Bobritzer Dammes eingeleitet.

Wasserwirtschaftliche Funktion

Auch heute noch übt der Bobritzer Damm einen großen Einfluss auf die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse rund um Eilenburg aus. Ohne das Wehr wäre der Mühlgraben schnell trockengelegt. Doch gerade das Versickern des Wassers (Infiltration) entlang des Mühlgrabens ist wichtig für die Trinkwasserversorgung der Region.

Insbesondere das Wedelwitzer Wasserwerk, aber auch die in Canitz und Thallwitz, profitieren davon. Bei einem Wegfall der etwa zwei Meter hohen Gefällstufe, vor der sich das Wasser staut, würde sich außerdem die Flusshydraulik entscheidend ändern. Heute bestehende Brücken und Dämme wären damit gefährdet.

Muldeufer
Typische Uferausbildung der Mulde bei Eilenburg.

Muldeufer

Zunächst wurde von Groitzsch aus eine etwa 500 Meter lange Baustraße entlang des linken Muldeufers in Fließrichtung sowie eine Behelfsbrücke über den Mühlgraben im Bereich des Wehres gebaut. Beides musste im Anschluss wieder komplett zurückgebaut werden. Dennoch erwies sich dies als wesentlich günstiger, als die etwa 3,5 Kilometer lange Anfahrt von der Muldestadt über den Bürgergarten. Nach Fertigstellung der Baustraße wurde die Hälfte des rund 90 Meter breiten Wehres zunächst von der Eilenburger Seite aus halbseitig trockengelegt. Die beschädigten Bauteile der Wehrschwelle wurden ausgebaut. Der Neuaufbau erfolgte mit Natursteinen und Betonverklammerung. Das Tosbecken im Unterwasserbereich blieb naturnah erhalten. Nach Abschluss dieser Baumaßnahme auf der Eilenburger Seite wurden die gleichen Arbeiten dann auch auf der Kollauer Seite durchgeführt. Die Sanierung des Wehres erfolgte im Auftrag des Freistaates Sachsen unter Regie der Landestalsperrenverwaltung Rötha. Sie kostete fast acht Millionen Mark.

Große Aufregung gab es während der Bauarbeiten im November 1998. Bei dem Herbsthochwasser floss aufgrund der Baumaßnahmen am Bobritzer Damm mehr Wasser als je zuvor in den Mühlgraben. Von hier ergoss es sich dann in einer kleinen Flutwelle über den Bürgergarten zur Mulde. Die einzige befestigte Straße zum Bürgergarten sackte damals auf einer Länge von knapp 100 Metern ab. Schätzungsweise 400 bis 800 Kubikmeter Erdreich wurden weggeschwemmt. Ein für den Hochwasserfall eigentlich geplanter Schotterdamm zum Mühlgraben konnte von den Bauleuten nicht mehr errichtet werden. Das Wasser war schneller als die Hochwasserinformation.

Nach Abschluss der Sanierung 1999 können die Fische nun erstmals seit Jahrhunderten wieder nicht nur über den Mühlgraben, sondern auch über die Mulde selbst flussaufwärts wandern. Möglich macht dies eine auf der Kollauer Seite gebaute sogenannte Fischaufstiegstreppe. Das Prinzip: Der Höhenunterschied von zwei Metern wird auf einer Strecke von insgesamt rund 35 Metern "erklettert". Als Treppenstufen dienen dabei mehrere kleinere Becken.

Lesen Sie dazu auch in der Rubrik "Leben & Arbeit" den Beitrag "Eilenburg und die Mulde".

Der Bobritzer Damm als Ausflugsziel

Der Bobritzer Damm (Kollauer Wehr) ist auch heute noch ein beliebtes Ausflugsziel, insbesondere für Wanderer und Fahrradfahrer. Von Eilenburg aus erreicht man es am besten über den Bürgergarten zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Von der Mühlgrabenbrücke beim Tierpark (Pionierbrücke) gibt es einen ausgeschilderten, etwa 2,8 Kilometer langen Planetenwanderweg. Er führt durch eine Gartenanlage und den riesigen Bürgergarten. Sein Endziel ist der Bobritzer Damm auf der Eilenburger Seite. Hier lädt eine kleine Sitzgruppe zum Picknick an dem rauschenden Muldegefälle ein.

Die Kollauer Seite des Wehres erreicht man ebenfalls zu Fuß oder per Fahrrad. Beginnend an der Kastanienallee führt ein manchmal etwas holpriger Radweg (flussabwärts gesehen immer auf der rechten Seite der Mulde) bis zum Bobritzer Damm auf der Kollauer Seite. Hier befindet sich auch die Fischaufstiegstreppe. Von Thallwitz aus kann man aber auch mit dem Auto bis fast an das Kollauer Wehr heranfahren.

Die Mulde lebt

Uferveränderungen
Die Mulde knabbert an ihrem Ufer. Hier im Naturschutzgebiet nördlich von Eilenburg trennten Flussbett (links) und Altarm (rechts) nur noch wenige Meter voneinander.
Durchbruch
Nach dem Jahrtausendhochwasser im August 2002 fließt das Wasser des Altarms in die Mulde. Die Wucht des Hochwassers hat den Damm aufgebrochen.