Eilenburg und die Mulde gehören schon immer zusammen. Die Eilenburger leben mit dem Fluss, der zeitweise eben auch sein Bett verlässt, über seine Ufer hinaustritt. Bilder vom Hochwasser 2002 können Sie sich in unserer historischen Fotosammlung mit 450 Fotos anschauen.

Über ein Jahrzehnt nach dem verheerenden Augusthochwasser 2002, das den Marktplatz in einen See verwandelte und bei dem ein Schaden in Höhe von 140 Millionen Euro entstand, gilt die Stadt als hochwassersicher. Obwohl die Stadtoberen spätestens seit der Wende bei den zuständigen Behörden des Freistaates Sachsen auf die kritischen Zustände aufmerksam gemacht haben, 1997 erste Planungen und 2000 auch der erste Deichabschnitt zwischen Röhrenbrücke und Ilburg-Stadion gebaut wurde, so richtig Schwung in den Bau der Hochwasserschutzanlagen kam erst nach 2002. Im Herbst 2012 wird mit der 210 Meter langen Mauer an der Ernst-Mey-Straße das System geschlossen.

2018 bekommen dann mit der Nordflanke Hainichen auch die Bewohner dieses Eilenburger Ortsteils einen Schutz vor einem statistisch aller 100 Jahre auftretenden Hochwasser. Bis 2019 wird zudem die Mauer am Mühlgraben um etwa einen halben Meter erhöht. Diese Mauer hatte sich beim Hochwasser im Juni 2013 als Schwachstelle herausgestellt.

Ein Jahrzehnt, in dem es richtig brummt

Eilenburg nutzte den von der Brutalität des Hochwassers 2002 ausgelösten Schock im ganzen Freistaat, machte Druck auf die zuständigen Landesbehörden, räumte diesen aber gleichzeitig in beispielhafter Manier vor Ort eigentumsrechtliche Hindernisse aus dem Weg.

Ein Jahrzehnt später ist das Ergebnis eine Muldestadt, die nach menschlichem Ermessen vor einem Jahrhunderthochwasser gesichert ist.

6,5 Kilometer Hochwasserschutzwände mit Höhen zwischen 0,6 und 4,1 Metern und noch einmal 6,5 Kilometer Hochwasserschutzdeiche wurden errichtet. Im muldennahen Stadtgebiet wurde ein Teil des Industrie- und Gewerbegebiet ECW für die Verbreiterung der Überflutungsflächen „geopfert“. Außerdem wurde die erste größere Deichverlegung an der Mulde in Sachsen im Norden der Stadt, in der Schlossaue, realisiert. Insgesamt flossen dafür rund 37 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel.

Der Hochwasserschutz

Das Stadtgebiet erstreckt sich beidseitig der Mulde. Im Westen wird Eilenburg zusätzlich vom Mühlgraben durchflossen, der sich im Stadtgebiet auch noch einmal teilt. Die langen Uferstrecken und die Bebauungen stellten die Fachleute der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates vor hohe Herausforderungen.

Neben der Ertüchtigung und dem Neubau von Schutzanlagen wurden Fließhindernisse beseitigt und der Mulde mehr Platz gegeben. Die Maßnahmen wurde in den drei Bereichen Eilenburg West/Hainichen, Eilenburg Mitte und Eilenburg Ost umgesetzt.

Baubereich Mühlgraben
Baubereich Mühlgraben - Abrissarbeiten am Ufer der Mühlinsel

Eilenburg West/Hainichen

Die westlich des Mühlgrabens liegenden Bereiche erhielten innerhalb des Stadtgebietes am Bebauungsrand eine durchgehende Hochwasserschutzlinie, die streckenweise von Ufermauern gebildet wird.

Die Mühlgrabeninsel wird weiterhin als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. Sie soll nicht weiter bebaut werden und steht bei Extremereignissen (ab 50-jährigem Hochwasser) als Überschwemmungs- und Abflussbereich zur Verfügung.

Der sich nördlich anschließende, knapp drei Kilometer lange Deich zwischen dem Ilburg-Stadion und der Ortslage Hainichen gibt der Mulde jetzt mehr Platz. Der Altdeich wurde streckenweise abgetragen, so dass eine Flutung der Aue bereits bei kleineren Hochwassern möglich ist.

Baubereich Hainichen, Juni 2007
Baubereich Muldeaue in Richtung Hainichen, Juni 2007
Einbringen von Bohrpfählen
Einbringen von Bohrpfählen am Mühlgraben

Eilenburg Mitte

Den meisten Besuchern fällt es gar nicht auf. Doch wer den Eilenburger Stadtkerns betritt, befindet sich auf einer Insel, die im Westen vom Mühlgraben und im Osten von der Mulde umflossen wird. Der Schutz des Stadtzentrums erfolgt durch ein Ringdeichsystem, das aus Deich- und Mauerabschnitten besteht. Die südliche Begrenzung bilden die Dämme entlang der Bahnstrecke Leipzig-Cottbus beziehungsweise der neuen Ortsumgehung. Beide überqueren sowohl Mühlgraben als auch Mulde.

Baustraße, Sommer 2006
Baustraße am Mühlgraben, Sommer 2006
Rückbau Deich
Rückbau des Deiches nach Fertigstellung der Hochwasserschutzwand - Eilenburg Mitte, Mühlgraben

Eilenburg Ost

Die Hochwasserschutzlinie östlich der Mulde verläuft am Bebauungsrand des Industrie- und Gewerbegebietes ECW, das verkleinert wurde. Ehemalige Fabrikgebäude, deren Wände zugleich dem Hochwasserschutz dienten, wurden abgerissen und durch eine Stahlbetonwand ersetzt.

Einbringen eines Bohrpfahles, 2008
Bohrpfahlgründung, Jan. 2008
Baubereich ECW-Gelände, Juni 2007
Baubereich ECW-Gelände, Juni 2007

Hochwasser geht alle an!

Hochwasserbroschüre

Hochwasserrisikomanagement im Freistaat Sachsen: das Staats­ministerium für Umwelt und Landwirtschaft veröffentlicht eine 32seitige Broschüre zum Hochwasser­risiko und -schutz. Zitat SMUL "Diese Broschüre soll Ihnen einen Überblick geben, wie das Hochwasserrisiko bewertet und gemindert werden kann und was Sie selbst und andere dazu beitragen können."

Hochwasserbroschüre, auch ein Klick auf die Grafik liefert das PDF-Dokument, 1.7 MB.