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Schülerprojekte

Eine Arbeitsgruppe erforschte über ein Jahr die Lebensdaten von 38 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. 18 Schüler des Eilenburger Gymnasiums, betreut durch die Lehrerinnen Frau Schmidt und Frau Hildebrandt, nutzten die Quellen von Stadtmuseum und Stadtarchiv für ihre Recherchen. Stellvertretend für die erarbeiteten Konzepte werden folgende vier Literaten Eilenburgs vorgestellt:

Gustav Höcker

Gustav Höcker

Gustav Höcker wurde am 28. September 1832 in Eilenburg geboren. Sein Vater war wahrscheinlich als Prokurist in einem der fünf Eilenburger Textilbetriebe beschäftigt. Schon in den Kinderjahren, die er in der Muldestadt verbrachte, fühlte er den Drang, sich der Dichtkunst zu widmen. Seine Vorbildung erhielt er in Chemnitz und der Erziehungsanstalt Kloschwitz bei Plauen.
Erst zehn Jahre später realisierte sich seine Wunschvorstellung, freier Schriftsteller zu werden. Da er sich aus finanziellen Gründen kein Studium leisten konnte, ging er tags widerwillig seiner Tätigkeit als Kaufmann nach, des nachts gab er sich dichterischem Schaffen hin. Förderung erhielt er einzig und allein durch seine Bekanntschaften mit Karl Gutzkow, Journalist, Erzähler und Dramatiker sowie dem Schriftsteller Ferdinand Stolle. Durch sie wurde sein Schaffen als Erzähler ermöglicht.
Viele Jahre lang lebte Gustav Höcker in Karlsruhe, bis er am 11. Oktober 1911 in Breslau verstarb.
Seine Schriftwerke spiegeln seine Lebenszeit als kulturhistorische Epoche wider. Höcker beschrieb in seinen Erzählungen Komponisten wie Beethoven, Haydn oder Mozart, Schauspieler wie Schröder/Iffland und Devrient, ging aber gleichermaßen auf historische Ereignisse wie die Schlacht bei Jena und Auerstedt, den Deutsch-Französischen Krieg oder den Russisch-Japanischen Krieg ein.
Es beweist, dass er seine Lebenszeit sehr intensiv und aus vielen Blickwinkeln betrachtet hat.

Oskar Höcker

Oskar Höcker

Oskar Höcker, Bruder Gustav Höckers, wurde am 13. Juni 1840 geboren. Auch er lebte von Geburt an in Eilenburg und besuchte in Chemnitz das Gymnasium. In Leipzig studierte er Chemie. Auch er war sehr zeitig von seiner literarischen und darüber hinaus theatralischen Begabung überzeugt. Nach zwei Jahren Studium zog er nach Dresden, wo er als Schüler des Königlich Sächsischen Hofschauspielers Porth 1859 seine Bühnenlaufbahn begann.
Nachdem er die Bühnen Bremens, Rostocks, Reichenbergs, Stettins und Meiningens besucht hatte, wandte er sich 1866 nach Karlsruhe, wo er 16 Jahre tätig war. Hier traf er seinen Bruder wieder. 1883 wurde er Mitglied des Deutschen Theaters in Berlin, gehörte 1887-89 dem Königlichen Schauspielhaus an und wurde schließlich anno 1889 Mitglied des Lessingtheaters in Berlin.
Seit 1865 war er sowohl Schauspieler als auch Volks- und Jugendschriftsteller. Unter ihm wurden über 100 Bände des "Deutschen Jugendfreundes" herausgegeben. Bis 1875 folgte noch eine Reihe Erzählungen. Mit dem Verleger A. Hirt begann er sein Hauptwerk, in welchem er hauptsächlich kulturgeschichtliche Erzählungen publizierte. In mehrbändigen Serien, wie dem "Sieg des Kreuzes" und "Das Ahnenschloss" veranschaulichte er der Jugend die Geschichte des Christentums und Deutschlands von den Kreuzzügen bis in seine Zeit. Auch auf die militärische Entwicklung Preußens ging er zum Beispiel in "Preußens Heer - Preußens Ehr" ein. Obwohl er in seiner schauspielerischen Tätigkeit an den deutschen Bühnen fast voll ausgelastet war, gelang es Oskar Höcker, ein umfangreiches literarisches Werk herauszugeben.
Nach einem schweren Nervenleiden verstarb der Eilenburger Erzähler am 8. April 1894 in Berlin. Sein Sohn Paul Oskar und dessen Tochter Karla Höcker wandten sich in ihrem Leben der gleichen Tätigkeit wie Oskar Höcker zu.

Christian Ludwig Liscow

Christian Ludwig Liscow

Ein anderer Literat Eilenburgs war Christian Ludwig Liscow. Er wurde als Sohn eines Pfarrers am 29. April 1701 in Wittenburg (Mecklenburg) geboren. Liscow ist unzweifelhaft der bedeutsamste aller Schriftsteller der Muldestadt. Er zählte zu den eigentlichen Begründern der deutschen aufklärerischen Prosasatire. Als hochgebildeter Mensch war er ein Kenner der alten und neuen Sprachen.
Nachdem er 1718 das Lübecker Gymnasium besucht hatte, begann er in Rostock und Halle Theologie, Philosophie und Literatur zu studieren. In Jena studierte er 1721/22 Jura.
Später war er zunächst im Dienst des Herzogs Karl Leopold von Mecklenburg, 1740 diente er als Sekretär im Hause des preußischen Gesandten von Dankelmann, wurde jedoch stets wieder entlassen. Ein Jahr danach trat Liscow in sächsische Dienste als Privatsekretär des Staatsministers Heinrich von Brühl. Kurze Zeit später ernannte man Liscow zum sächsischen Kriegsrat.
Zu dieser Zeit lernte er seine spätere Frau, die Tochter des damaligen Eilenburger Bürgermeisters, Christiane Mylius kennen, durch die er erste Kontakte nach Eilenburg knüpfte. Seiner Ehe entstammen zwei Töchter und drei Söhne, von denen der erste 1746 geboren wurde.
Als Christian Liscow nach seinem Studium seine ersten Schriften veröffentlichte, musste er sich anonym halten, da seine Satiren Vertreter der orthodoxen Kirche, Lehrer und Schriftsteller angriffen. Auf Missstände dieser Bereiche machten seine zumeist prosaischen Werke aufmerksam. Diese Lebensweise machte ihn zu einem wesentlichen Satiriker der 20er Jahre des 18. Jahrhunderts und einem der besten Prosaisten vor Lessing. Darüber hinaus gilt Liscow als Lehrer des deutschen Satirikers Lichtenberg. 1749 verlor Liscow seine Stelle als Kabinettssekretär, weil man ihm vorwarf, an einer Verschwörung gegen seinen Vorgesetzten von Brühl hauptsächlich beteiligt gewesen zu sein. Daraufhin zog er 1750 auf sein Gut in Eilenburg, wo er die letzten 10 Lebensjahre verbrachte. Am 30. Oktober verstarb Christian L. Liscow auf seinem Gut und wurde später in der Marienkirche beigesetzt.

Karl Neumann

Karl Neumann

Am 30. Juli 1916 wurde Karl Neumann in Eilenburg, Wallstraße im Wohnhaus der Firma Müller geboren. In vierjähriger Lehrzeit erlernte er beim Malermeister Hinneburg am Markt in Eilenburg den Beruf eines Malers. Im Zweiten Weltkrieg wurde Neumann schwer verwundet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg legte er sein Studium für Fachpädagogik im Fach Kunsterziehung ab und war von da an als Lehrer tätig. Seit 1972 wirkte er als freischaffender Schriftsteller in Brielow bei Brandenburg. In seinen Büchern wird oft vom alltäglichen Schulleben erzählt. Karl Neumanns Werke erlangten einen sehr großen Leserkreis. In Schriftstücken wie "Frank" oder "Frank und Irene", welche 1958 und 1964 erschienen, setzte er sich mit der Problematik junger Menschen auseinander. Für das in insgesamt 19 Auflagen gedruckte Buch "Frank" erhielt er im Jahre 1958 einen Preis des Ministeriums für Kultur. "Das Mädchen hieß Gesine", entstanden 1967, fand 4 Jahre später als Film besonders große Beachtung. Sein letztes Werk, welches er seinen Enkelkindern widmete, erschien 1985, Der Schriftsteller, dessen Werke in 5 Sprachen übersetzt worden sind, verstarb am 9. April 1985.