
- Der Eilenburger Hochwasserschutz im Überblick.
Der Reiter "Grafik" in der Seitenmitte zeigt die Skizze oben in einer Größe von 400 x 500 Pixeln an.
Eine Grafik der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen zeigt den Stand der Bauabschnitte vom September 2008
auf einer Extraseite.

- Eilenburg im 16. Jahrhundert, Reproduktion aus "Eilenburg in Bildern und Dokumenten" 1968
Die Mulde und das Hochwasser
Eilenburg war im Regierungsbezirk Leipzig (Westsachsen) bei der Jahrhundertflut im August 2002 die am schwersten betroffene Kommune. Der Marktplatz verwandelte sich in einen See, das gesamte Stadtzentrum konnte tagelang nicht betreten werden. In der Karl-Marx-Siedlung stand das Wasser mehrere Tage zwei Meter hoch. Allein der kommunale Schaden belief sich am Ende auf 60 Millionen Euro. Bilder vom Hochwasser können Sie sich
auf einer Sonderseite anschauen.
Doch die Katastrophe hatte auch etwas Gutes. Sie beschleunigte den vorher nur sehr zögerlich begonnenen Bau von Schutzanlagen in einem Tempo, von dem die Eilenburger nicht zu träumen gewagt hatten. 2009 ist Eilenburg die erste Stadt in Sachsen, die nach menschlichem Ermessen hochwassersicher ist. Dafür errichtet der Freistaat Sachsen in Eilenburg für 35 Millionen Euro 13 Kilometer Mauern und Deiche an Mühlgraben und Mulde. Die Schutzmauern entlang des Mühlgrabens enden zwar einige Zentimeter unter dem Augustpegel, kombiniert mit pegelsenkenden Deichrückverlegungen in Eilenburg und in anderen Kommunen flussaufwärts sollte Eilenburg aber in Zukunft vor einer Katastrophe wie die im August 2002 verschont bleiben.
Allgemein
Eilenburgs Hochwasserschutz
Eilenburg lebt mit der Mulde und hat deshalb schon immer auch in den Hochwasserschutz investiert. Zu DDR-Zeiten spielten die Schutzanlagen, die für ein hundertjähriges Hochwasser ausgelegt sind, jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Das wirkte sich natürlich entsprechend auf den Zustand der Anlagen aus. Das änderte sich mit der Wende. Bereits Anfang der 90er-Jahre baute die Stadt in der Muldenstraße eine 30 Meter lange Mauer neu. Dabei wurde schnell klar, dass der Hochwasserschutz die finanziellen Möglichkeiten einer Kommune bei weitem übersteigt. Eilenburg hat nach der Wende die Gelegenheit genutzt, um bei den zuständigen Behörden des Landes immer wieder auf den schlechten Zustand der Schutzanlagen aufmerksam zu machen. Nicht ohne Erfolg.
1997 kamen auf Initiative der Stadtoberen Vertreter der Landestalsperrenverwaltung (die damals noch Talsperrenmeisterei Rötha hieß) nach Eilenburg. Das Gespräch hat Folgen. Noch Ende des gleichen Jahres werden die vorhandenen Anlagen untersucht, eine Prioritätenliste und erste Planungen erstellt.
Im Sommer 2000 folgt dann der erste Bau. Es handelt sich dabei um den Deichabschnitt zwischen Röhrenbrücke und Ilburg-Sportstadion. Weitere Projekte am westlichen Mühlgraben folgen. 2002 sind Arbeiten im Bereich der alten Bundesstraße 87 sowie am ECW-Gelände geplant. Für die Hochwasserschutzmauer am Maxim-Gorki-Platz ist für den 13. August sogar ein öffentlicher Spatenstich mit Vertretern der Landesregierung organisiert. Genau an diesem Tag wird Eilenburg von der Jahrhundertflut überrollt.
Sie bringt viel Leid, aber auch Bewegung in der Wahrnehmung des Problems. Fast über Nacht stellt die sächsische Staatsregierung Geld bereit. Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) erhält für alle Bauprojekte grünes Licht, die eigentlich erst bis nach 2010 realisiert werden sollten. Michael Riechert, Projektleiter der LTV für den Eilenburger Hochwasserschutz, erinnert sich am 19. September 2008 in der Leipziger Volkszeitung: "Der Schock saß bei allen noch tief. Wir konnten sofort anfangen, die Genehmigungen erfolgten kurzfristig, wobei uns die von 1997 an geleistete Arbeit zugute kam." Noch im November 2002 werden gleich sechs Projekte im Bereich des Mühlgrabens begonnen. Bis 2009 sind es insgesamt 35 Millionen Euro, die in die drei Eilenburger Schwerpunktbereiche Mühlgraben, Mulde und Hainichen fließen. Dafür wurden unter anderem so viele Erdmassen bewegt, dass damit ein 280 Kilometer langer Güterzug hätte gefüllt werden können. Die Deiche und Mauern innerhalb der Gemarkung Eilenburgs haben eine Gesamtlänge von 13 Kilometern. Im innerstädtischen Bereich wurden hauptsächlich aus Platzgründen Schutzmauern aus Stahlbeton errichtet. Außerhalb des Ortskerns schützen überwiegend Deiche.
Beim Hochwasser 1960 bedrohte Eisgang auf dem Mühlgraben die Brücken.
Mühlgraben
Hochwasserschutz am Mühlgraben
Der Eilenburger Mühlgraben, der südlich der Stadt am Bobritzer Damm von der Mulde abzweigt und nördlich von dieser wieder in die Mulde fließt, bildet nach der Flut im August 2002 den Investitionsschwerpunkt der Landestalsperrenverwaltung (LTV). Diese setzt im Auftrag des Freistaates Sachsen den Hochwasserschutz vor Ort um. Bereits ab 2000 wurden hier auch auf Drängen der Stadt Eilenburg erste Maßnahmen in Angriff genommen.
Ausgerechnet am 13. August 2002 sollte übrigens auch die offizielle Grundsteinlegung für das bisher größte Einzelprojekt am Eilenburger Mühlgaben sein. Der offizielle Akt wurde weggespült, das Engagement des Freistaates dagegen nicht. Vielmehr erhielt die LTV grünes Licht für die ursprünglich auf etwa zehn Jahre veranschlagten Bauprojekte. Diese und zusätzlich in den Plan aufgenommene Vorhaben am Mühlgraben wurden bis 2007 realisiert, die Innenstadt ist seitdem hochwassersicher. Letztes Projekt waren hier die jeweils 500 Meter langen Deiche an beiden Seiten des Mühlgrabens zwischen Am Anger und der neuen B 87 (entlang des Stadtparkes). Insgesamt wurden etwa 4800 Meter Schutzanlagen errichtet.
Eine Besonderheit ist die raue Rampe, die 2007 unweit der innerstädtischen Mühlgrabenbrücke übergeben wurde. Sie ersetzt ein Wehr und erleichtert den Fischen die Wanderung flussaufwärts.
Baustraße am Mühlgraben, Sommer 2006
Mulde
Hochwasserschutz an der Mulde
Nach der Flut im August 2002 rückte auch die Mulde im Stadtgebiet selbst in den Blickpunkt des Hochwasserschutzes.
Wichtige Voraussetzung dafür war, dass sich die Stadt bereit erklärte, Teile des Industrie- und Gewerbegebietes am ECW-Wasserturm für einen besseren Hochwasserschutz zu opfern. Die Mulde erhält damit zwischen den Stadtteilen Mitte und Ost bis zu 70 Meter mehr Platz. Dazu wurden auch alte Fabrikgebäude, die bisher zugleich als Hochwasserschutzmauern dienten, abgerissen. Sie wurden ab 2005 bis 2008 durch eine Mauer ersetzt, die auf dem westlichen Muldeufer von der Ernst-Mey-Straße im Norden über den Wasserturm bis zur Ziegelstraße (alte B 87) und 100 Meter südlich davon reicht. Dem schließt sich südlich ein 700 Meter langer Deich in der Kastanienallee an. Ergänzt wurde der Schutz an der Mulde außerdem im Bereich der Friedrich-Ebert-Straße, wo 2005 im Bereich der Wohnhäuser eine Mauer, im Bereich der Gärten ein Deich errichtet wurde.
Wichtig für den Hochwasserschutz war auch der 2006 realisierte und drei Millionen Euro teure Neubau der Muldeflutbrücke. So wird die Mulde statt auf einer Breite von 100 Metern im extremen Hochwasserfall nun bis zu 120 Meter Platz haben.
Baubereich ECW-Gelände, Juni 2007
Hainichen
Hochwasserschutz für Hainichen
In dem nördlich von Eilenburg gelegenen Ortsteil Hainichen entstehen die Deiche an anderer Stelle neu, um der Mulde mehr Platz zu geben. Dafür sind Planfeststellungsverfahren notwendig.
Folgende zwei Projekte gibt es:
- Der knapp drei Kilometer lange Deich vom Ilburg-Stadion bis nach Hainichen (Pumpwerk von Stora Enso): Der Planfeststellungsbeschluss wurde durch das Regierungspräsidium Leipzig Ende 2004 gefasst. Es handelte sich dabei übrigens um den ersten Beschluss dieser Art, den es im Freistaat Sachsen gab. Dennoch konnte nicht sofort gebaut werden, da ein Eigentümer vor dem Verwaltungsgericht in Leipzig klagte. Das Gericht traf aber im April 2006 eine Entscheidung zugunsten des Hochwasserschutzes. 2007 wurde der 2,5 Millionen Euro teure Deich gebaut.
- Der zweite Hainicher Deich mit einer Länge von etwa 1,7 Kilometern wird nördlich des Ortes geplant. Dazu gehört auch ein Schöpfwerk, das im Hochwasserfall die Rietzschke über den Deich in die Mulde pumpt. Auch hierfür ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig. Bis 2009 soll auch diese letzte Hochwasserschutzmaßnahme für Eilenburg gebaut sein.
Baubereich Muldeaue in Richtung Hainichen, Juni 2007





