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Alte Bräuche! - Aber woher?
"Etwas Neues, etwas Altes, etwas Geliehenes und etwas Blaues"
So rät ein alter Reim aus dem viktorianischen England. "Etwas Altes" symbolisiert die Verbundenheit zur gemeinsamen Vergangenheit der Braut und ihrer Familie. "Etwas Neues" steht für eine glückliche Zukunft. "Etwas Geliehenes" verweist auf das gute Beispiel, das man an glücklich verheirateten Paaren hat und "etwas Blaues - Blau ist die Farbe der Jungfrau Maria - symbolisiert Treue und Unschuld. (Der Reim endet mit den Worten "und einen Sixpence im Schuh", was dem Brautpaar wirtschaftlichen Erfolg bescheren soll.)
Der Ehering
Schon vor etwa 5000 Jahren wurden die ersten Ringe als Symbol der Ewigkeit benutzt. Der goldene Verlobungsring wurde im Jahr 860 auf Geheiß des Papst Nikoalu I. als offizielles Zeichen des Eheversprechens eingeführt. Und was hat es mit dem diamantenen Ehering auf sich? Im Mittelalter wollte man damit allen zeigen, wie inbrünstig man die Braut liebt, und die venezianischen Juweliere des 17.Jh. brachten die künstlerische Gestaltung der Eheringe zur höchsten Vollendung.
Heiratsantrag am Schalttag
Im Mittelalter war es in England den Frauen gestattet, ihren Angebeteten am 29. Februar einen Antrag zu machen, weil es den Tag eigentlich gar nicht gab. Viele machten von diesem (seltenen) Zeichen der Gleichberechtigung auch tatsächlich Gebrauch.
Weißes Brautkleid
Königin Anne de Bretagne war wohl die erste Braut, die in Weiß heiratete (1499). Der Durchbruch der weißen Hochzeit kam allerdings erst im Jahre 1840, als Königin Viktoria Prinz Albert heiratete. Zu ihrem Brautkleid aus weißer Seide und Spitze gehörte eine 5,5m lange Schleppe. Bis dahin trugen die Blaublütigen silberne und die gewöhnlichen Bürger blaue Brautkleider.
Brautschleier
Im Altertum trugen die griechischen und römischen Bräute gelbe oder rote Schleier, um die bösen Geister zu vertreiben. Häufig waren sie dabei ganz verschleiert. Im Mittelalter wurde diese Tradition fortgeführt, wenn auch mit einer anderen Funktion: Jetzt sollte der dicke gelbe Schleier den Bräutigam daran hintern, die Braut vor der Trauung zu sehen (und umgekehrt) und eventuell in letzter Minute wegen ihres Äußeren Einwände zu erheben. Spitzenschleier sind eine amerikanische Erfindung aus dem 19.Jh., nachdem, ein Bräutigam seine Braut durch Spitzenvorhänge gesehen hatte und diesen wunderbaren Anblick unbedingt wiederholen wollte.
Trauzeuge (Best Man)
Dieser ursprünglich römische Brauch stammt aus dem 3.Jh. Damals nahm der Bräutigam den "besten Mann" des Orts mit auf Brautschau. Bei der Trauung war es die Aufgabe des "Best Man", dafür zu sorgen, dass keine grimmigen Verwandten auftauchten, die die geraubte Braut zurückforderten. Daraus erklärt sich auch, warum der "Best Man" traditionellerweise auf der rechten Seite der Braut geht: So konnte er im Falle eines Falles bequemer sein Schwert ziehen.
Brautjungfern und Brautstrauß
Im alten Ägypten hatten die Bräute mehrere Jungfern, die quasi als Doppelgängerinnen die Dämonen verwirren sollten, die danach trachteten, der Braut den Spaß zu verderben und ihr durch bösen Zauber zu schaden. Gegen bösen Zauber sollten auch stark duftende Blumen- und Kräutersträuße dienen.
Polterabende
In Sparta feierten Soldaten den Bräutigam am Tag vor der Hochzeit, indem sie tranken, aßen, sich ewige Freundschaft schworen und darauf noch einen tranken... Das kommt Ihnen bekannt vor? In ihrem faszinierenden Buch "Hochzeit" begrüßt es Alison Price, dass sich die Bräuche geändert haben und der Polterabend nicht mehr unbedingt am Tag vor der Hochzeit stattfindet. Ein müder, verkaterter Bräutigam wird den Hochzeitstag wohl kaum als den schönsten Tag seines Lebens in Erinnerung behalten und ist auch für die Braut alles andere als witzig.
Die "Damenkränzchen"
Die Damenkränzchen" vor der Hochzeit entstanden aus eher praktischen Erwägungen. Sie fanden ursprünglich statt, um die Braut mit wichtigen Bedarfsgegenständen zu versorgen, wenn der Vater den Bräutigam nicht akzeptierte und die Braut keine angemessene Mitgift mit in die Ehe gab.
Reiswerfen
In heidnischen Zeiten warf man Korn über das Brautpaar, um ihnen Nachwuchs und leichte Schwangerschaften zu wünschen.
Der Brautkuss
Mit dem Brautkuss wurde schon im alten Rom die Ehe besiegelt.
Alte Schuhe und Dosen mitschleifen
Im alten Ägypten überreichte der Vater der Braut seinem Schwiegersohn ein Paar Sandalen und trat dadurch symbolisch die Verantwortung für seine Tochter an ihn ab. In England begannen die Hochzeitsgeäste im 15.Jh. der Hochzeitskutsche Schuhe nachzuwerfen. Treffer sollten dabei Glück bringen. Die Geräusche sollten wie beim Dosenmitschleifen böse Geister vertreiben.
Hochzeitstorte
Die Römer brachen über dem Kopf der Braut einen Kuchen, um ihr Fruchtbarkeit in der Ehe zu wünschen. Der Kuchen wurde allerdings nicht gegessen. Im Mittelalter wurde dieser Brauch auch in Frankreich gepflegt, doch die Kuchen hatten inzwischen mehrere "Stockwerke" und einen Zuckerguss. König Karl II. von England führte schließlich eine zum Verzehr bestimmte Hochzeitstorte mit Zuckerguss ein.
Die Braut über die Schwelle tragen
Diese römische Tradition basiert auf dem Aberglauben, dass es Unglück bringt, wenn die Braut beim Überqueren der Schwelle stolpert.
Flitterwochen
Dieser Brauch hängt mit der Entführung der Braut zusammen. Ursprünglich nahm der Bräutigam seine Braut und taucht mit ihr unter. Wenn die Braut dann nicht innerhalb eines Monats gerettet wurde, galt sie als seine rechtmäßige "Beute".




